Wittgensteins Philosophie

Ludwig Wittgenstein war ein analytischer Philposoph. Wie kaum ein moderner Denker hat er darauf beharrt, dass Philosophie keine Lehre sondern eine Tätigkeit sei. Mit dem "Tractatus" glaubte der junge Wittgenstein, die Probleme der Philosophie grundsätzlich gelöst zu haben.Nach ihm beruhen nämlich alle philosophischen Probleme auf dem Missverständnis unserer Sprache.

Die Grundsätze des "Tractatus" sind wie folgt zu verstehen:
Die Welt besteht aus Tatsachen. Diese Tatsachen basieren auf Sachverhalten. Aus diesen Tatsachen, bzw. Sachverhalten entsteht der Gedanke. Ein Gedanke wiederum führt zu einem sinnvollen Satz. Jeder Satz besteht aus sogenannten Elementarsätzen, die generell sinnvoll sind. Das bedeutet es gibt eine bestimmte Anzahl festgelegter Sätze, die unveränderlich die Gedanken richtig beschreiben. Die große Vielfalt der Sätze entsteht durch eine Funktion, Rechnung, von diesen Elementarsätzen. Diese Rechnung und damit auch die Elementarsätze findet sich in jedem Satz.

Wittgenstein fasste aber den Sinn seines buches in einem Satz zusammen.: " Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." Dieser Satz bildet auch den Schluss des "Tractatus" und ihm folgen keine Erklärungen mehr. Zum Verständnis muss man allerdings Satz 6.54 hinzunehmen: "Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie- auf ihnen- über sie hinausgestiegen ist." Was soviel heisst wie, die Sätze zu vergessen, nachdem man sie verstanden hat.

Vielleicht kann man dies auch besser verstehen wenn man als Vergleichsbeispiel die Parabel von Martin Buber "Die 50. Pforte" heranzieht. Auch in dieser gilt, dass die Suche nach der Wahrheit wichtiger ist, als die Wahrheit selber. Das Entscheidende aber und dadurch unterschied sich Wittgenstein von anderen Analytikern seiner Zeit, lag für ihn in dem, was sich gerade nicht sagen lässt - Zitat:" Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sie. Es ist das Mystische." Wittgenstein glaubte mit diesen Thesen "die Probleme im wesentlichen gelöst zu haben", er hielt sein Werk für "unantastbar und definitiv" .

In den postum veröffentlichten "Philosophischen Untersuchungen" interessiert sich Wittgenstein für die unterschiedlichen Funktionsweisen und Formen der Sprache und er versucht diese, mit dem Begriff des "Sprachspiels" zu erklären. Jedoch konnte Wittgenstein das Buch, das sich über 350 Seiten erstreckt, nicht endgültig bearbeiten. Darin wird größtenteils, ähnlich den Schriften Sokrates, ein Gespräch beschrieben, das entweder der Denker mit sich selbst oder einer erfundenen Person führt, beschrieben. Dabei stellt er sich selbst oder der fiktiven Person ständig Fragen und formuliert Einwände.

Die Abweichungen vom "Tractatus" sind sehr deutlich, so verwirft er die Grundsätze, nach denen die Welt aus Tatsachen und Sachverhalten besteht. Auch verwirft er die Bindung von Sachverhalten und dessen Abbildungen, sowie dass im "Tractatus" errichtete Bild der Logik und Exaktheit.

Der "späte" Wittgenstein ist der Auffassung, dass die Sprache nicht exakt ist, sondern mehrdeutig und unklar. Wer deutlich sprechen will, muss den Sinn der Wörter verdeutlichen. Es gibt nur einen Weg die Bedeutung eines Wortes zu verstehen, nämlich der Gebrauch des Wortes. Er führt die Bezeichnung des "Sprachspiels" ein.

Wittgenstein zufolge muss man die Sprache wie ein Spiel z.B. das Schachspiel, verstehen. Zwei Personen die sich unterhalten "spielen" mit Wörtern und Sätzen wie der Spieler mit den Spielfiguren. Wie bei jedem Spiel stehen auch bei dem "Sprachspiel" bestimmte Regeln fest, die allen geläufig sind, allerdings entgegen einem echten Spiel nur unbewußt. Diese Regeln lassen sich aber nicht exakt benennen, unter anderem da die Situation des Sprechenden, sowie vorhergegangene Geschehnisse und anderes einbezogen werden müssen. So einfach sich diese neuen Auffassungen anhören, so kompliziert ist es sich der Komplexität und Irreführung unserer Sprache zu entledigen, da sie uns Menschen als wichtigstes Kommunikationsmittel dient. Wittgenstein erkannte dies und sprach vom: "Mythos des Bedeutens", den er uns aber leider, wie wir alle wissen, nicht austreiben konnte.


zurück