Thales' Leben

Thales wurde 624 v.Chr. in Milet geboren, zur damaligen Zeit eine wichtige Handels- und Hafenstadt in Kleinasien. Er gilt als Begründer der Philosophie, Wissenschaft sowie Astronomie. Des Weiteren war Thales selbst ein Mathematiker, Philosoph, Staatsmann, Ingenieur und Astronom.

Thales gilt als kluger, wenn nicht sogar gerissener Geschäftsmann, wie ihn Aristoteles später bezeichnete. Sicher ist, dass Thales sich mit der Politik, der Mathematik und der Astronomie beschäftigte. Ihm gelang es zuweilen, als erster Mensch überhaupt, eine Sonnenfinsternis korrekt zu berechnen und das Datum, welches sich später als richtig erweisen sollte, zu nennen. Ein Geschichtsschreiber jener Zeit veranlasste diese Tatsache dazu, denn lapidaren Satz aufzuschreiben: „Die Philosophie der Griechen beginnt am 28. Mai 585.“, den Tag der Sonnenfinsternis.

Viele bezeichnen Thales als echten Weisen, ein Mann, der nicht nur in Gedanken versunken dasitzen kann, sondern auch das Leben in all seinen Varianten kennt. Ein Beispiel ist ein einer kleinen Anekdote zu lesen. Seine Mutter drängt Thales dazu, zu heiraten, er aber erwidert: „Noch ist es nicht Zeit dazu.“ Jahre später wird die Mutter mit ihrer Forderung immer eindringlicher. Thales jedoch antwortet: „Nun ist die Zeit dazu vorüber.“ Noch tiefsinniger ist noch eine weitere Geschichte: Auf die Frage, warum Thales keine Kinder zeugen wolle, bemerkt er: „Aus Liebe zu den Kindern.“

Als Thales die Sterne beobachtete und nach oben blickte, fiel er in einen Brunnen. Eine Thrakerin verspottete ihn mit den Worten, er wolle wissen, was am Himmel sei, aber es bleibe ihm verborgen, was vor ihm und zu seinen Füßen liege. Platon gibt dieser Geschichte eine ernsthafte Wendung. „Der gleiche Spott trifft alle, die in der Philosophie leben. Denn in Wahrheit bleibt einem solchen der Nächste und der Nachbar verborgen, nicht nur in dem, was er tut, sondern fast auch darin, ob er ein Mensch ist oder irgend ein anderes Lebewesen ... Wenn er vor Gericht oder irgendwo anders über das reden muss, was zu seinen Füßen oder vor seinen Augen liegt, ruft er Gelächter hervor, nicht nur bei Thrakerinnen, sondern auch beim übrigen Volk; aus Unerfahrenheit fällt er in Brunnen und in jegliche Verlegenheit; seine Ungeschicklichkeit ist entsetzlich und erweckt den Anschein der Einfältigkeit. Was aber der Mensch ist und was zu tun und zu erleiden einem solchen Wesen im Unterschied von den anderen zukommt, danach sucht er und das zu erforschen müht er sich.“ Wenn es um das Wesen der Gerechtigkeit geht, so muss man Platon verstehen, dann wissen die anderen nicht aus noch ein und machen sich lächerlich; dann aber ist die Stunde der Philosophie gekommen. Das zeigt deutlich, warum Thales als Ursprung der Philosophie verstanden werden kann, denn ihn interessierten nicht die Dinge an sich, sondern das Wesen der Dinge. Er wollte die Wahrheit hinter alledem entdecken und was sich in den vielfältigen Gestalten der Welt findet: den Bergen, Tieren und den Pflanzen, mit dem Wind, den Sternen und dem Menschen, seinem Tun und seinem Denken.


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