Sokrates' Philosophie

Sokrates wollte die Menschen nicht belehren, statt dessen vermittelte er den Eindruck, selber von seinem Konversationspartner lernen zu wollen. Er unterrichtete also nicht wie ein Lehrer, nein, er führte Gespräche. Sokrates verglich sein Tun mit dem Beruf seiner Mutter. Eine Hebamme gebiert ja nicht das Kind selbst, sondern hilft nur dabei. Er sah es also als Hilfe bei der „Geburt“ der richtigen Einsicht. Nur die Erkenntnis, die von innen kommt, ist wirkliche „Einsicht“. Jeder Mensch ist fähig, philosophische Wahrheiten einzusehen, solange er nur seine Vernunft anwendet. Durch das heucheln von Unwissenheit, zwang Sokrates seinen Gesprächspartner dazu, Vernunft anzuwenden. Diese gespielte Unwissenheit wird auch als sokratische Ironie bezeichnet. Durch dieses Verfahren deckte er nach und nach die Schwächen im Denken der Athener auf.

Einst fragte ein Athener das Orakel von Delphi, wer der klügste Mensch in Athen sei, worauf dieses ihm mit Sokrates antwortete. Als Sokrates dies erfuhr, reagierte er eher mit Ungläubigkeit und war verwundert. Daraufhin ging er in die Stadt und suchte jemanden , der als klug galt, auf. Als dieser ihm jedoch seine Fragen nicht klar beantworten konnte, sah Sokrates schließlich ein, dass das Orakel recht behalten hatte.

Richtige Erkenntnis führt zum richtigen Handeln:

Sokrates glaubte, eine göttliche Stimme im Kopf zu haben, die ihm sagte, was richtig war. Wer wisse, was gut, werde auch das Gute tun, meinte er. Sokrates war der Ansicht, die richtige Erkenntnis führt zum richtigen Handeln und nur wer das Richtige tut, wird zum ‚richtigen’ Menschen. Wenn wir falsch handeln, dann, weil wir es nicht besser wissen. Deshalb ist es so wichtig, unser Wissen ständig zu vermehren. Es ging Sokrates darum, klare und allgemeingültige Definitionen dafür zu finden, was Recht ist und was Unrecht. Sokrates glaubte, dass die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, in der Vernunft liegt und nicht in der Gesellschaft, wie die Sophisten* behaupteten. Sokrates war somit ein ausgesprochener Rationalist. Für Sokrates war es unmöglich, glücklich zu sein, wenn man gegen seine eigene Überzeugung handelt. Und jeder der weiß, wie er zum glücklichen Menschen wird, wird auch versuchen, einer zu werden. Deshalb wird jemand, der weiß, was richtig ist, auch das Richtige tun, denn kein Mensch könnte ja wohl unglücklich sein?

*Sophisten: In Athen konzentrierte sich das Interesse zunehmend auf den Menschen und die Gesellschaft, als auf die Natur, wie es zuvor der Fall gewesen war. Zu dieser Zeit strömte aus den griechischen Kolonien eine Gruppe von Lehrern und Philosophen nach Athen. Sie nannten sich selbst Sophisten. Das Wort „Sophist“ bezeichnet eine gelehrte Person. In Athen verdienten sich diese Sophisten ihr Geld durch Lehrtätigkeit. Sophisten lehnten alles ab, was sie für unnötige philosophische Spekulation hielten. Auch wenn es vielleicht Antworten auf viele philosophische Fragen gibt, können die Menschen doch niemals wirklich sichere Antworten auf die Rätsel der Natur und des Universums finden. Ein solcher Standpunkt wird in der Philosophie als Skeptizismus bezeichnet. (Informationen entnommen aus „Sofies Welt“; S. 79 Z. 5-19)

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