Sokrates' Leben

Sokrates wurde 469 v. Chr. in Athen, als Sohn des Bildhauers Sophronikos und der Hebamme Phainarete, geboren.
Er war mit Xanthippe verheiratet, welche, nach verbreiteter Ansicht, ein durch und durch zänkisches Weib gewesen war, dies jedoch durch Quellen nicht belegt wird. Sokrates und Xanthippe hatten gemeinsam drei Kinder, wovon die beiden Jüngsten wohl noch unter 10 Jahre alt gewesen sein mussten, als ihr Vater starb. Sokrates hatte von seinen Eltern ein kleines Vermögen geerbt, was ihm und seiner Frau ein bescheidenes, aber unabhängiges Dasein ermöglichte. Als Soldat nahm Sokrates an mehreren Schlachten teil (Potidaia, 431-429 | Delion, 424 | Amphipolis, 422).

423 wird Sokrates als Hauptfigur in der Komödie „Die Wolken“ (Aristophanes) zur Zielscheibe des allgemeinen Spottes. Schon zu diesem Zeitpunkt wurden ihm Vorwürfe zur Verblendung der Jungend und Atheismus gemacht. 406 nahm Sokrates als Ratsherr am Prozess gegen die Feldherren aus der Schlacht bei den Arginusen teil und wandte sich gegen die mehrheitlich beschlossene Verurteilung derer. 399 v. Chr. wird Sokrates der Prozess wegen Gottlosigkeit und verderblichen Einfluss auf die Jugend gemacht. Gottlosigkeit (Asebie) bedeutete, nicht an die Staatsgötter Athens zu glauben, ein Verbrechen, welches mit dem Tod durch Vergiften geahndet wurde. In seiner überlieferten Verteidigungsrede streitet er beide Vorwürfe ab, wird jedoch mit knapper Stimmenmehrheit für schuldig befunden. Sokrates hätte sein Leben retten können, wenn er dazu bereit gewesen wäre, dass Urteil anzuerkennen oder Athen zu verlassen, worum ihm sein Freund Kriton auch eindringlich bat. Er blieb jedoch und wurde zum Tod durch Trinken des Schierlingsbecher verurteilt. Außerdem betrachtete er die Flucht als Tat politischen Unrechts gegenüber den Gesetzen der Athener Bürger. Die Anklage als berechtigt anzunehmen, kam ebenso wenig in Frage.

Er hielt die Wahrheit für wichtiger als sein Leben. Er versicherte, nur zum Besten des Staates gehandelt zu haben. Die Verhandlung und der Tod Sokrates' sind in Platons Schriften Apologie, Kriton und Phaidon und in Xenophons Apologie des Sokrates beschrieben.

Sokrates ist womöglich die rätselhafteste Person in der gesamten Geschichte der Philosophie. Bemerkenswert ist, dass er keine einzige Zeile geschrieben hat und trotzdem gehört er zu denen, die den allergrößten Einfluss auf das europäische Denken ausgeübt haben. Vielen dürfte der Name Sokrates auch bekannt sein, wenn sie bis dato wenig mit Philosophie zu tun gehabt haben, was wahrscheinlich an seinem dramatischen Tod liegt. Uns ist bekannt, dass Sokrates in Athen geboren wurde und dass er die meiste Zeit damit verbrachte, auf dem Marktplatz oder in den Straßen Athens Konversationen zu führen, die für seine Gesprächspartner meist ein peinliches Ende nahmen. Die Felder und Bäume auf dem Land könnten ihn nichts lehren, meinte er. Ebenso erstaunlich wie rätselhaft an ihm ist, dass er viele Stunden lang in tiefes Nachdenken versunken dastehen konnte. Noch zu Lebzeiten galt er als rätselhafte Person und nach seinem Tod wurde er bald als Gründer der verschiedensten philosophischen Richtungen betrachtet. Sokrates war jedoch nicht mit einem erfreulichen Äußeren gesegnet. Er war klein und dick, hatte Glubschaugen und eine Himmelfahrtsnase, kurz um, er war potthässlich. Sein Inneres jedoch war „vollkommen herrlich“, wie es hieß. Und weiter heißt es: Man könne in der Gegenwart und in der Vergangenheit suchen, aber seinesgleichen werde man nirgends finden.