Rousseaus Philosophie

Rousseau ging von einem Naturzustand des Menschen aus, d.h. dass der Mensch von Geburt an eigentlich "gut" ist.
Dieser Naturzustand wird durch die Gesellschaft beeinflusst.

Daher legte Rousseau großen Wert auf die Erziehung des Menschen, damit der Mensch seine "guten" Eigenschaften behält.



Anthropologie:

Rousseau verabscheut die Gesellschaft und Kultur seiner Zeit, er bezeichnet sie zumal als eitel und böse.
Durch sich überkreuzende Interessen eines jeden wird der Mensch in der Gesellschaft dazu veranlagt, durch Schein und Sein seine Absichten zu verbergen. Dies vermerkt Jean-Jacques Rousseau in seinem Ersten Diskurs.

Im zweiten, in dem er seine Kritik noch verfeinert, schreibt Rousseau: „Die Menschen sind böse; eine traurige und fortdauernde Erfahrung erübrigt den Beweis; jedoch, der Mensch ist von Natur aus gut, ich glaube, es nachgewiesen zu haben; [...] Man bewundere die menschliche Gesellschaft soviel man will, es wird deshalb nicht weniger wahr sein, dass sie die Menschen notwendigerweise dazu bringt, sich in dem Maße zu hassen, in dem ihre Interessen sich kreuzen, außerdem sich wechselseitig scheinbare Dienste zu erweisen und in Wirklichkeit sich alle vorstellbaren Übel zuzufügen."

Somit kritisiert Rousseau nicht die Gesellschaft allein, sondern vielmehr auch die „Vergesellschaftung“ des Menschen. Seine Äußerungen stehen im direkten Gegensatz zu den Ideen seiner Zeit. Von den Aufklärern und der Kirche werden seine Theorien verachtet. Für die Kirche galt der Mensch noch als Prädestiniert; für die Aufklärung als lern- und gesellschaftsfähig sowie vernunftbegabt. Rousseaus Thesen stehen ebenfalls im Konflikt zu den Worten Aristoteles, der meinte, dass der Mensch ein Gesellschaftswesen sei. Dieser Theorie zufolge müsste überall friedfertige Harmonie herrschen, was definitiv nicht der Fall ist. Da der Mensch lügt, betrügt, hasst, mordet und verleugnet, schließt Rousseau daraus, dass der Mensch ein ungeselliges Wesen ist und nur außerhalb der Gesellschaft wirklich „gut“ ist. Dieser Zustand wird Naturzustand genannt. Darunter versteht man die Theorie, dass die gravierendsten Probleme des in der Gegenwart zu beobachtenden menschlichen Zusammenlebens darauf zurückzuführen sind, dass wir von Natur aus nicht für das Leben geschaffen sind, das wir uns selbst einrichten.

Im Naturzustand besitzt der Mensch, hypothetisch gesehen, nur zwei Fähigkeiten. Der einzige Trieb, der den Mensch antreibt, ist die Selbstliebe („Sorge für dein Wohl mit dem geringstmöglichen Schaden für die anderen.“). Neben dem ersten Trieb, der Selbstliebe, kennt der Mensch noch das Mitleid, welches nach Rousseaus Denken auch die Tiere besitzen. Alle anderen Fähigkeiten wie Vernunft, Gewissen und Einbildungskraft sind noch nicht ausgebildet. Der Mensch ähnelt im Naturzustand also einem wilden Tier, welches nur um sich selbst bemüht ist.

Aufgrund äußerer Umstände wurde der Mensch jedoch dazu gezwungen, sich mit Artgenossen zusammenzutun; eine Gesellschaft und Kultur entsteht, in dem das Böse in die Welt tritt, da der Mensch seine ihm eigenen Fähigkeiten aktiviert, um in der Gesellschaft überleben zu können. Hier spielt die Einbildungskraft eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht dem Menschen, sich in andere Individuen hineinzuversetzen und somit einen Vergleich untereinander zu erstellen. Die Selbstliebe kann hierdurch in die böse Eigenliebe umschlagen. Das einzelne Individuum sieht sich nun nur noch mit den Augen der anderen und möchte, dass seine Artgenossen ihn sich selbst vorziehen, was nicht möglich ist, da jeder Mensch diese Eigenliebe ausbildet. Das führt dazu, dass jeder seine wahren Absichten verbirgt. Eigeninteressen werden zumal als Allgemeininteressen ausgegeben.


Staatstheorie:

In seiner Staatstheorie stellt sich Rousseau die Frage, wie der Mensch oder auch ein von Natur aus freies Individuum seine eigenen Bedürfnisse befriedigen kann, ohne dabei mit seinem blind-egoistischen Verhalten das Zusammenleben zu zerstören.
Dieses Paradox (=Widerspruch) löst er durch den gemeinsamen Willen des Volkes, welcher stets um das allgemeine Wohl bemüht ist, nicht um das Wohl eines einzelnen. In einem „Urvertrag“ treten alle Individuen ihre Rechte an ein religiös überhöhtes Staatswesen* ab, welches den Willen des allgemeinen Volkes vollstreckt. Das Gemeinwohl kann somit nur gewährleistet werden, wenn das Wohl eines einzelnen, also das Wohl einer bloßen Einzelexistenz, dem Volksganzen untergeordnet wird.

*religiös überhöhtes Staatswesen (Zivilreligion): Unter Zivilreligion versteht man alle kulturellen Anteile, die politisch nicht zur Disposition stehen, d. h. von politischem Handeln allein nicht verändert, abgeschafft oder eingeführt werden können.


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