Platons Philosophie

I. Das ewig Wahre, ewig Schöne und ewig Gute

Der platonische Eros ist der stufenweise Weg zur Erkenntnis des Schönen und Guten an sich. Platon legt ihn im Symposion dar, bzw. er lässt ihn Sokrates in einer Art Mythos verkünden, den dieser von der Priesterin Diotima empfangen haben will. Der echte Philosoph geht demnach von der Liebe zu einem schönen Menschen hinauf zur Liebe zu allem Schönen und schließlich zur Liebe zum Schönen selbst, zur Idee des Schönen an sich. Jedoch ist dieses "Stufenverfahren" kein Weg zur systematischen Erkenntnis aller anderen Ideen.

II. Die Welt der Ideen

Platon beschäftigte sich mit der selben Problematik wie Empedokles oder Demokrit, nämlich das alles „fließt“, es aber trotzdem „etwas“ gibt, dass sich niemals verändert („Atome“ oder die „vier Wurzeln“). Platon war der Auffassung, dass absolut alles, was wir in der Sinnenwelt greifen und fühlen können, „fließt“. Es gibt ein Material, an dem die Zeit zehrt und somit in Auflösung übergehen kann. Für Platon ist dieses Ewige und Unveränderliche kein physischer „Urstoff“, sondern geistige Musterbilder, sogenannte Ideen. Beispiel: Alle Pferde sind gleich. Stimmt das? Es gibt doch schnelle Pferde, lahme Pferde, muskulöse Pferde, magere Pferde, braune Pferden, schwarze Pferde, usw. Aber dennoch bezeichnen wir alle als Pferde! Es muss also ein Urbild von einem Pferd in uns existieren. Das selbe bei einem Baum. Jeder sieht anders aus, doch benennen wir alle als Baum, weil wir das Urbild von einem Baum in uns tragen. Diese Urbilder nannte Platon Ideen. Es gibt also hinter allem die Idee Pferd, die Idee Baum. Platon glaubte an eine eigene Wirklichkeit hinter der „Sinnenwelt“. Diese Wirklichkeit nannte er die Welt der Ideen. In dieser Welt sind die unveränderlichen Urbilder aller Dinge zu finden.

III. Sicheres Wissen

Platon meinte, dass alles, was wir um uns herum, was wir betasten und anfassen können, mit einer Seifenblase verglichen werden kann. Nichts, was in der Sinnenwelt existiert, ist von Dauer. Alle Tiere und Menschen, ja sogar Pflanzen sterben irgendwann und lösen sich auf. Platon geht es darum, dass wir niemals sicheres Wissen über etwas gewinnen können, das sich verändert. Vom dem, was in der Sinnenwelt existiert, haben wir nur unsichere Meinungen. Sicheres Wissen aber können wir nur mithilfe der Vernunft erkennen. Beispiel: Wenn der Lehrer seine Klasse fragt, was die schönste Farbe im Regenbogen sei, so wird er freilich viele verschiedene Antworten erhalten. Wenn er aber fragt, was zwei mal sieben ist, sollte die ganze Klasse das selbe Ergebnis nennen; jetzt urteilt nämlich die Vernunft und die Vernunft ist in gewisser Weise das genaue Gegenteil von Meinen und Fühlen. Die Vernunft ist ewig und universell, eben weil sie sich nur in ewigen und universellen Dingen zum Ausdruck bringen lässt. In der Mathematik lässt sich sicheres Wissen erlangen, denn zwei mal sieben wird immer vierzehn sein, sowie die Winkelsumme in einem Kreis immer 360° beträgt, in alle Zeit.

IV. Eine unsterbliche Seele

Wie euch sicher aufgefallen ist, hat Platon die Wirklichkeit in zwei Welten geteilt. Zum einen die „Sinnenwelt“, die wir nur mit den fünf Sinnen wahrnehmen und in der alles „fließt“, also nichts von Bestand ist. Zum anderen die Ideenwelt, über die wir sicheres Wissen erlangen können, wenn wir unsere Vernunft gebrauchen. Zum Ausgleich sind die Ideen (Formen) ewig und unveränderlich. Platon war der Ansicht, dass die Seele unsterblich ist, also schon bevor sie im Körper gefangen war, in der Ideenwelt existierte. Das erkennen von Dingen in der Sinnenwelt, z.B. ein Pferd, ist bloßes Wiedererkennen der Idee (Form), an die sich die Seele erinnert, da sie die perfekte Form, die Urform, in der Ideenwelt gesehen hat.

V. Höhlengleichnis

1. Vom Leben in der Höhle
»Hierauf vergleiche nun, fuhr ich fort, unsere Natur in bezug auf Bildung und Unbildung mit folgendem Erlebnis. Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen, höhlenartigen Behausung; diese hat einen Zugang, der zum Tageslicht hinaufführt, so groß wie die ganze Höhle. In dieser Höhle sind sie von Kind auf, gefesselt an Schenkeln und Nacken, so daß sie an Ort und Stelle bleiben und immer nur geradeaus schauen; ihrer Fesseln wegen können sie den Kopf nicht herumdrehen. Licht aber erhalten sie von einem Feuer, das hinter ihnen weit oben in der Ferne brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefesselten aber führt oben ein Weg hin; dem entlang denke dir eine kleine Mauer errichtet, wie die Schranken, die die Gaukler vor den Zuschauern aufbauen und über die hinweg sie ihre Kunststücke zeigen. - Ich sehe es vor mir. Stelle dir nun längs der kleinen Mauer Menschen vor, die allerhand Geräte vorübertragen, so, daß diese über die Mauer hinausragen, Statuen von Menschen und anderen Lebewesen aus Stein und aus Holz und in mannigfacher Ausführung. Wie natürlich, redet ein Teil dieser Träger, ein anderer schweigt still. - Ein seltsames Bild führst du da vor, und seltsame Gefesselte, sagte er. Sie sind uns ähnlich, erwiderte ich. Denn erstens: glaubst du, diese Menschen hätten von sich selbst und voneinander je etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, die das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Seite der Höhle wirft? - Wie sollten sie, sagte er, wenn sie zeitlebens gezwungen sind, den Kopf unbeweglich zu halten? Was sehen sie aber von den Dingen, die vorübergetragen werden? Doch eben dasselbe? - Zweifellos. - Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, sie würden das als das Seiende bezeichnen, was sie sehen? - Notwendig. Und wenn das Gefängnis von der gegenüberliegenden Wand her auch ein Echo hätte und wenn dann einer der Vorübergehenden spräche - glaubst du, sie würden etwas anderes für den Sprechenden halten als den vorbeiziehenden Schatten? - Nein, beim Zeus, sagte er. - Auf keinen Fall, fuhr ich fort, könnten solche Menschen irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener künstlichen Gegenstände. - Das wäre ganz unvermeidlich, sagte er.

2. Der Austritt aus der Höhle
Überlege dir nun, fuhr ich fort, wie es wäre, wenn sie von ihren Fesseln befreit und damit auch von ihrer Torheit geheilt würden; da müßte ihnen doch naturgemäß folgendes widerfahren: Wenn einer aus den Fesseln gelöst und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals zu wenden, zu gehen und gegen das Licht zu schauen, und wenn er bei all diesem Tun Schmerzen empfände und wegen des blendenden Glanzes jene Dinge nicht recht erkennen könnte, deren Schatten er vorher gesehen hat - was meinst du wohl, daß er antworten würde, wenn ihm jemand erklärte, er hätte vorher nur Nichtigkeiten gesehen, jetzt aber sei er dem Seienden näher und so, dem eigentlicher Seienden zugewendet, sehe er richtiger? Und wenn der ihm dann ein jedes von dem Vorüberziehenden zeigte und ihn fragte und zu sagen nötigte, was das sei? Meinst du nicht, er wäre in Verlegenheit und würde das, was er vorher gesehen hat, für wahrer (wirklicher) halten als das, was man ihm jetzt zeigt? - Für viel wahrer (wirklicher), erwiderte er. Und wenn man ihn gar nötigte, das Licht selber anzublicken, dann schmerzten ihn doch wohl die Augen, und er wendete sich ab und flöhe zu den Dingen, die er anzuschauen vermag, und glaubte, diese seien tatsächlich klarer als das, was man ihm jetzt zeigt? -Es ist so, sagte er. Schleppte man ihn aber von dort mit Gewalt den rauhen und steilen Aufgang hinauf, fuhr ich fort, und ließe ihn nicht los, bis man ihn an das Licht der Sonne hinausgezogen hätte - würde er da nicht Schmerzen empfinden und sich nur widerwillig so schleppen lassen? Und wenn er ans Licht käme, hätte er doch die Augen voll Glanz und vermöchte auch rein gar nichts von dem zu sehen, was man ihm nun als das Wahre bezeichnete? - Nein, erwiderte er, wenigstens nicht im ersten Augenblick. Er müßte sich also daran gewöhnen, denke ich, wenn er die Dinge dort oben sehen wollte. Zuerst würde er wohl am leichtesten die Schatten erkennen, dann die Spiegelbilder der Menschen und der andern Gegenstände im Wasser und dann erst sie selbst. Und daraufhin könnte er dann das betrachten, was am Himmel ist, und den Himmel selbst, und zwar leichter bei Nacht, indem er zum Licht der Sterne und des Mondes aufblickte, als am Tage zur Sonne und zum Licht der Sonne. - Ohne Zweifel. Zuletzt aber, denke ich, würde er die Sonne, nicht ihre Spiegelbilder im Wasser oder anderswo, sondern sie selbst, an sich, an ihrem eigenen Platz ansehen und sie so betrachten können, wie sie wirklich ist. - Ja, notwendig. Und dann würde er wohl die zusammenfassende Überlegung über sie anstellen, daß sie es ist, die die Jahreszeiten und Jahre herbeiführt und über allem waltet in dem sichtbaren Raume, und daß sie in gewissem Sinne auch von allem, was sie früher gesehen haben, die Ursache ist. - Offenbar würde er nach alledem so weit kommen. Wenn er nun aber an seine erste Behausung zurückdenkt und an die Weisheit, die dort galt, und an seine damaligen Mitgefangenen, dann wird er sich wohl zu der Veränderung glücklich preisen und jene bedauern - meinst du nicht? - Ja, gewiß. Die Ehren aber und das Lob, das sie einander dort spendeten, und die Belohnungen für den, der die vorüberziehenden Schatten am schärfsten erkannte und der sich am besten einprägte, welche von ihnen zuerst und welche danach und welche gleichzeitig vorbeizukommen pflegten, und daraus am besten vorauszusagen wußte, was jetzt kommen werde - glaubst du, er sei noch auf dieses Lob erpicht und beneide die, die bei jenen dort in Ehre und Macht stehen? Oder wird es ihm so gehen, wie Homer sagt, daß er viel lieber auf dem Acker bei einem armen Mann im Taglohn arbeiten und lieber alles mögliche erdulden will, als wieder in jenen Meinungen befangen sein und jenes Leben führen? - Ja, das glaube ich, sagte er. Lieber wird er alles andere ertragen als jenes Leben.

3. Die Rückkehr
Denke dir nun auch folgendes, fuhr ich fort: Wenn so ein Mensch wieder hinunterstiege und sich an seinen alten Platz setzte, dann bekäme er doch seine Augen voll Finsternis, wenn er so plötzlich aus der Sonne käme? - Ja, gewiß, erwiderte er. Wenn er dann aber wieder versuchen müßte, im Wettstreit mit denen, die immer dort gefesselt waren, jene Schatten zu beurteilen, während seine Augen noch geblendet sind und sich noch nicht wieder umgestellt haben (und diese Zeit der Umgewöhnung dürfte ziemlich lange dauern), so würde man ihn gewiß auslachen und von ihm sagen, er komme von seinem Aufstieg mit verdorbenen Augen zurück und es lohne sich nicht, auch nur versuchsweise dort hinaufzugehen. Wer aber Hand anlegte, um sie zu befreien und hinaufzuführen, den würden sie wohl umbringen, wenn sie nur seiner habhaft werden und ihn töten könnten. - Ja, gewiß, sagte er. Dieses ganze Gleichnis, mein lieber Glaukon, fuhr ich fort, mußt du nun an das anknüpfen, was wir vorhin besprochen haben. Die durch das Gesicht uns erscheinende Region setze dem Wohnen im Gefängnis und das Licht des Feuers in ihr der Kraft der Sonne gleich. Und wenn du nun den Aufstieg und die Betrachtung der Dinge dort oben für den Aufstieg der Seele in den Raum des Einsehbaren nimmst, so wirst du meine Ahnung nicht verfehlen, die du doch zu hören wünschest. Gott aber mag wissen, ob sie richtig ist. Meine Ansicht darüber geht jedenfalls dahin, daß unter dem Erkennbaren als letztes und nur mit Mühe die Idee des Guten gesehen wird; hat man sie aber gesehen, so muß man die Überlegung anstellen, daß sie für alles die Urheberin alles Richtigen und Schönen ist. Denn im Sichtbaren bringt sie das Licht und seinen Herrn hervor; im Einsehbaren aber verleiht sie selbst als Herrin Wahrheit und Einsicht. Sie muß man erblickt haben, wenn man für sich oder im öffentlichen Leben vernünftig handeln will. - Ich bin derselben Ansicht, sagte er, soweit ich zu folgen vermag!«


Die Beschreibung der Lage der Gefangenen
Die Gefangenen befinden sich in einer tiefen Höhle und sehen oben am Rand Schatten. Sie erkennen Menschen, die Gegenstände vorbei tragen.
Das soll bedeuten, dass die Sinne Andeutungen und Täuschungen zeigen, aber nicht das Eigentliche.

Die Befreiung von den Fesseln innerhalb der Höhle.
Einer der Gefangenen wird entfesselt. Er wird vom Licht geblendet und erkennt die Gegenstände nicht richtig. Er möchte verstehen, kann aber nur undeutliche Dinge erkennen.
Das soll den Standpunkt des empirischen Naturforschers verbildlichen. Er sucht nach allgemeinen Gründen angesichts einzelner vergänglicher Dinge.

Befreiung aus der Höhle
Der Gefangene wird nach oben geführt und erkennt allmählich im Licht der Sonne die Dinge, wie sie sind.
Dies verdeutlichet den Standpunkt der Mathematiker und Künstler, die das Wesentliche, die Ideen und die Ideale sehen.

Im Angesicht der Sonne
Der Gefangene sieht nun die Sonne selbst und erkennt auch die Hintergründe.
Dies stellt die Grenze der menschlichen Erkenntnisfähigkeiten dar. Das Sein wird entdeckt als Urgrund alles Seienden.

Die Rückkehr zu den Gefangenen
Der Gefangene steigt wieder hinunter in die Höhle und erzählt das Erlebte. Allerdings macht er sich damit vor den anderen lächerlich, die seine Erkenntnis nicht nachvollziehen können. Sie sehen nach wie vor nur den Rand der Höhle mit den Schatten.
Dies versinnbildlicht die Weitergabe der Erkenntnis mit und trotz der Gefahr des Scheiterns. Die Philosophie wird als innere Verpflichtung verstanden.

VI. Der Staat der Philosophen

Nach Platons Vorstellungen wird der perfekte Staat von Philosophen gelenkt. Dazu bediente er sich der menschlichen Anatomie und bezog anhand dessen ein Modell auf den Staat. Dazu teilte er den Körper in drei Bereiche ein. Jedem dieser Bereiche entspricht eine Charaktereigenschaft. Zum Kopf gehört die Vernunft, zur Brust der Wille, zum Unterleib die Begierde. Jedem dieser Eigenschaften fügte er eine passende Tugend hinzu. Die Vernunft soll nach Weisheit streben, der Wille soll Mut zeigen und das Begehren muss gezügelt werden, damit der Mensch Mäßigkeit zeigt. Erst das gemeinsame fungieren aller drei Teile macht einen guten Staat aus. In der Schule lernen die Kinder, ihre Begehren zu mäßigen, dann wird der Mut entwickelt und zum Schluss sollen sie Vernunft und Weisheit erlangen. Genau wie der Mensch aufgebaut ist, so stellt sich Platon auch den Staat vor. Wie der Körper „Kopf“, „Brust“ und „Unterleib“ hat, hat der Staat Herrscher, Wächter (Soldaten) und den Handelsstand (zu dem freilich auch Bauern und Handwerker zählten!) Platons Idealstaat könnte also so dargestellt werden:

Körper
Seele
Tugend
Staat
Kopf
Vernunft
Weisheit
Herrscher
Brust
Wille
Mut
Wächter (Soldaten)
Unterleib
Begehren
Mäßigung
Handelsstand


zurück