Nietzsches Leben

Friedrich Nietzsche – Kindheit (1844-1858)

• Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844, welches ebenfalls das Geburtsdatum des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV ist, im sächsischen Röcken geboren. Dies verleitete die Eltern zu dem Namen Friedrich.
• Viele von Nietzsches Ahnen waren Pfarrer oder Priester, weshalb auch er in einem sehr christlichen Haushalt heranwuchs.
• Nach dem Tod des Vaters und des jüngeren Bruders 1849/1850, zog die verbliebene Familie Nietzsche nach Naumburg an der Saale.
• Der junge Nietzsche besuchte zunächst die Knabenschule, wo er sich aber zu sehr isoliert fühlte.
• Er unterschied sich schon als Kind von seinen Altersgenossen und bekam den Spitznamen "Kleiner Pastor", weil er Bibelsprüche und geistliche Lieder mit einem solchen Eindruck aufsagen konnte, dass seinen Zeitgenossen die Tränen kamen.
• 1854 besuchte Nietzsche das Naumburger Domgymnasium.
• Friedrich Nietzsche besuchte äußerst gerne seine Großeltern, da diese über eine Bibliothek verfügten, in der Nietzsche allzu gern las.

Nietzsche war sein Leben lang ein Mensch der Ordnung. So gibt es immer wieder Dinge zu berichten, die ihn von anderen auszeichnet.

Eines regnerischen Tages, die Schule war bereits aus, stürmten die Schüler mit ihren Büchern über dem Kopf durch den Regen, um schnellstmöglich nach Hause zu gelangen. Alle bis auf einen. Friedrich Nietzsche ging, seine Bücher in Tücher eingewickelt, voller Ruhe nach Hause, so, als würde es nicht Regnen. Dies ist nicht mir irgendeiner Merkwürdigkeit zu verwechseln. Er hielt sich lediglich an die Verordnung der Schule, in der es heißt: „Die Schüler haben sich nach Unterrichtsende gesittet nach Hause zu begeben.“


Friedrich Nietzsche – Jugend (1858-1864)

• Im Domgymnasium fiel besonders seine Begabung für das musikalische und das sprachliche auf, weshalb er von 1858 bis 1864 im hoch angesehenen Internat Schulfpforta logierte.
• Seine schulischen Leistungen waren phänomenal. Zusätzlich fand er nebenbei immer wieder die Zeit zu Dichten und Komponieren.
• Durch die große Auswahl an Literatur sowie dem Unterricht konnte Friedrich Nietzsche sein Wissen erweitern.
• Mit 14 Jahren schrieb er seine erste Autobiografie.

Friedrich Nietzsche – Studium (1864-1868)

• 1864 begann Nietzsche mit dem Studium der Theologie (Lehre von Glaubensystemen und Glaubensdokumenten) und der klassischen Philologie (Sprach- und Literaturwissenschaft) an der Universität Bonn.
• Bereits schon nach einem Jahr brach er das Theologiestudium ab und konzentrierte sich ausschließlich auf die Philologie, die ihn mehr begeisterte als alles andere.
• 1865 beschäftigte sich Friedrich Nietzsche mit Werken von Arthur Schopenhauer, welche ihn zu eigener Philosophie anregten und ihm die Sicht eröffnete, dass er sich nicht auf die Philologie beschränken muss.
• 1867 wurde Nietzsche als Einjährig-Freiwilliger bei der preußischen Artillerie verpflichtet, musste jedoch seinen Dienst aufgrund eines schweren Reitunfalls im März 1868 quittieren. Während der Kurzeit beschäftigte sich Nietzsche weiterhin innig mit der Philologie. Von großer Bedeutung sollte 1868 auch sein erstes Treffen mit Richard Wagner werden.

Friedrich Nietzsche - Professor in Basel Teil 1 (1869 - 1872)

• Sein Studienlehrer, Friedrich Ritschl, war von Nietzsches Fähigkeiten sehr angetan und schlug ihn, nachdem Friedrich ohne Prüfung sondern nur aufgrund seiner Veröffentlichungen zum Doktor ernannt wurde, als außerordentlichen Professor an der Universität Basel vor. Zu seiner Tätigkeit gehörte auch das Lehren am Basler Pädagogium (ältestes Gymnasium in Basel und eines der ältesten in der gesamten Schweiz)
• Nach seinem Umzug in die Schweiz/Basel wurde er auf eigenen Wunsch hin aus der preußischen Staatsbürgerschaft entlassen und blieb bis an sein Lebensende staatenlos.
• Trotz seines Reitunfalls diente er im Deutsch - Französischen Krieg als Sanitäter auf deutscher Seite, jedoch stand er der Gründung des Deutschen Reichs und der anschließenden Ära Bismarck skeptisch gegenüber.
• In Basel begann 1870 die bis in die Zeit von Nietzsches geistiger Umnachtung andauernde Freundschaft zu seinem Kollegen Franz Overbeck, einem atheistischen Theologieprofessor. Ebenso war er ein häufiger Gast im Hause Wagner, die er sehr verehrte.
• 1872 veröffentlichte Nietzsche sein erstes Werk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik.“

Friedrich Nietzsche - Professor in Basel Teil 2 (1872 - 1879)

• Bereits 1873-1876 erschien „Die vier Unzeitgemäßen Betrachtungen“
• Von den ersten Bayreuther Festspielen 1876 war Nietzsche sehr enttäuscht. Die Banalität des Schauspiels als auch die Niveaulosigkeit der Zuschauer widerten ihn an, sodass seine Sympathie für Wagner schwand, bis sie sogar in radikale Ablehnung umschlug.
• Mit der Publikation von „Menschliches, Allzumenschliches“ 1878 distanzierte sich Nietzsche deutlich von Wagner und der Schopenhauerschen Philosophie.
• In dieser Zeit versuchte er, eine junge und heiratswillige Frau zu finden, was ihm allerdings misslang. Desweiteren nahmen seine Gebrechen, die er seit der Kindheit hatte, immer mehr zu. Darunter fielen Migräne, starke Kurzsichtigkeit und Magenstörungen. Immer häufiger musste Nietzsche kurze Pausen einlegen und sich 1879 wegen der heftigen Anfälle mit Kopf- und Augenschmerzen frühzeitig pensionieren lassen.

Friedrich Nietzsche – Freier Philosoph (1879 - 1889) • Aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit reist Nietzsche nun viel in Europa.
• Hin und wieder besucht er auch seine Familie in Naumburg, wobei er sich jedoch häufig mit seiner Schwester überwarf und sich aber jedes Mal wieder versöhnte.
• 1882 lernte er in Rom Lou Salomé kennen und sie verbrachten den Sommer in Tautenberg (Thüringen). Nietzsche sah in Salomé eher eine sehr begabte Schülerin denn als gleichwertige Partnerin.
• Friedrich verliebte sich in Sie und hielt um ihre Hand an, was Sie jedoch ablehnte.
• Aufgrund von Intrigen seitens der Schwester Nietzsches ging der Kontakt mir Lou und Rée im Winter 1882/1883 verloren. Der von Depressionen und Suizidgedanken geplagte Nietzsche flüchtete nach Rapallo, wo er in Rekordzeit den ersten Teil von „Also sprach Zarathustra“ verfasste.
• Das Buch stieß unter seinen verbliebenen Freunden auf Unverständnis, dass nur durch Höflichkeit überdeckt wurde, doch wusste Nietzsche ihre Meinung und pflegte sogar ein wenig seine Einsamkeit, wenn er auch trotzdem darüber klagte. Hinzu kamen Verlegerprobleme, da seine Bücher nicht mehr gut verkauft wurden, worauf er den vierten Teil von „Also sprach Zarathustra“ nur als Privatdruck mit einer Auflage von 40 Exemplaren veröffentlichte.

Friedrich Nietzsche – In geistiger Umnachtung (1889 - 1900)

• Gegen 1888 zeigten seine Bücher immer mehr eine Spur von Größenwahn. Die Reaktionen auf diese Werke bewertete Nietzsche maßlos über.
• Anfang Januar 1889 erlitt Friedrich Nietzsche einen geistigen Zusammenbruch. Dies zeigte sich auch in seinen sogenannten „Warnbriefen“, die er an enge Freunde schickte, welche deutliche Spuren von Wahnsinn zeigten.
• Als Ursache wurde Syphilis* diagnostiziert, jedoch ist dieses Krankheitsbild bis heute umstritten.
• 1889 kam Nietzsche in eine Irrenanstalt bei Basel. 1890 wurde er von seiner Mutter aufgenommen. Nach dem Tod dieser, übernahm seine Schwester 1897 schließlich die Pflege. Als erstes wurde Friedrich nach Weimar gebracht, wo ihn seine Schwester wie ein Ausstellungsstück vorführte. Nietzsche bekam von alldem nichts mit.
• Nach einer Reihe von Schlaganfällen stirbt der Philosoph Friedrich Nietzsche im Alter von 56 Jahren in Folge einer Lungenentzündung. Auf Wunsch der Schwester wird Friedrich an der Röckener Dorfkirche neben seinem Vater bestattet.

• Syphilis: auch harter Schanker oder Franzosenkrankheit genannt, ist eine Geschlechtskrankheit die von Bakterien verursacht wird. Die Krankheit wird durch Schleimhautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Oft werden die Symptome für Syphilis nicht wahrgenommen, sodass, wenn die Krankheit verschwindet, die Person es nicht einmal mitbekommen hat. Im vierten Stadium (10-20 Jahre nach Beginn der Krankheit) tritt eine Hirnhautentzündung auf, welche eine geistige Schwäche hervorruft.

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