Lockes Philosophie


Kritik an dem Rationalismus und Aufbau einer Theorie der empiristischen Erkenntnis


Der englische Philosoph John Locke gilt heute als einer der ersten Hauptvertreter des Empirismus, einer Gegenbewegung des Rationalismus, die vor allem auf den britischen Inseln entstand und dort auch ihre stärkste Ausprägung, teilweise bis heute, aufweiste und immer noch aufweist.
Nach Locke folgen die zwei nächsten großen Empiriker, George Berkley(geb.1685) und David Hume(geb.1711), deren Philosophie im höchsten Maße von der Lockes beeinflusst wurde.

Der Rationalismus, dem Gegenteil des Empirismus, welchen Locke vertrat, wurde von mehreren bekannten Persönlichkeiten zu seiner Zeit, wie zum Beispiel von den Philosophen Hobbes und Gassendi oder dem Naturwissenschaftler Isaac Newton, abgelehnt. Eine der ersten Theorien, die Locke kritisierte, war die der angeborenen Ideen, welche auf Platon zurückzuführen ist. Laut Locke nämlich, ist es nicht möglich, dass die Menschen in sich angeborene Ideen tragen, da man erst einmal alles lernen müsse. So weiß ein Kind nur etwas über die christliche Vorstellung von Gott, wenn ein Elternteil oder irgendjemand diesem Kind davon erzählt.
Auf andere Weise als die der Aufnahme jener Information über die Sinne kann das Kind zwangsweise nicht auf die Vorstellung Gottes im Christentum kommen. Für all diejenigen, denen solche Beispiele nicht ausreichen, nennt Lock einen weiteren Grund dafür, warum man die Idee des angeborenen Wissens dringends falsifizieren müsse: Jede Idee, jeder Gedanke oder jede Vorstellung ist Resultat von Wahrnehmung durch die Sinne, welche durch gedankliche Verarbeitung weiterverarbeitet wurde.
Folglich kann man auf keine Idee, auf keinen Gedanken oder auf keine Vorstellung kommen, wenn es keinerlei Sinneseindrücke gibt, die von der menschlichen Logik weiterverarbeitet werden können.

Daher bezeichnet John Locke den Geist des Menschen bei seiner Entstehung als ,,tabula rasa"(leere Tafel), was bedeutet, dass der menschliche Geist vor Einsetzen der Sinneseindrücke wie eine völlig leere Tafel anzusehen ist. Während des Lebens werden eine Vielzahl von Sinneseindrücken auf diese Tafel geschrieben, sodass sich die tabulae nach und nach immer weiter füllt. Nun bleiben jene Sinneseindrücke aber nicht nur so, wie sie aufgenommen wurden, auf der Tafel, beziehungsweise im Geiste des Menschen stehen, sondern sie werden weiterverarbeitet, was dem Menschen ermöglicht auf Ideen, Gedanken oder Vorstellungen zu kommen.

Einfache Ideen entspringen laut Locke der ,,sensation"(Wahrnehmung durch die Sinne) und/oder der ,,reflection"(Reflexion oder Selbstbeobachtung). Unsere Umgebung können wir so durch die ,,sensation" erkennen und das, was diese Umgebung für uns selbst als Individuum bedeutet durch die ,,reflection". Man kann ,,sensation" und ,,reflection" auch als innere und äußere Wahrnehmung bezeichnen, wobei das Erfahren von Zeitabläufen sowohl durch ,,reflection" als auch ,,sensation" wahrgenommen wird.

Locke denkt einen Schritt weiter und teilt die ideas(Ideen), die ein Mensch auf diese Weise erlangen kann, in drei verschiedene auf: Die Idee der Substanz, die Idee des Modi und die Idee von Kausalität.

Idee der Substanz: Die Idee der Substanz ist der Grund dafür, dass ein vor einem Baum stehender Mensch erkennt, dass er gerade vor einem Gebilde steht, das man Baum nennt.

Idee des Modi: Die Idee des Modi lässt den Menschen erkennen, dass der Baum verschiedene Eigenschaften hat. So wird der vor dem Baum stehende Mensch, der über die korrekte Idee des Modi über die Bäume vefügt, wissen, dass der Stamm des Baumes recht stabil und hart ist, die Krone des Baumes hingegen aus mehreren biegsamen Ästen besteht und im sowohl im Frühling als auch im Sommer über Blätter verfügt, die im Herbst jedoch abfallen. Falls seine Ideen des Modi bezüglich der Bäume noch ausgeprägter ist, wird er erkennen, dass er vor einem Apfelbaum steht, der Äpfel trägt.

Idee der Beziehungen: Die Idee der Beziehungen oder die Idee der Kausalität bringt dem Menschen, der vor dem Apfelbaum steht, viel Vorteile, denn diese Ideen sind wichtige logische Schlüsse. So wird der Mensch wissen, dass er nicht mit den Kopf voran gegen den Baum rennen darf, da sein Schädel ansonsten sehr schmerzen würde, weil der Stamm des Baumes sehr stabil und hart ist. Um dieses Wissen zu erlangen hat der Mensch die Beziehungen zwischen der Idee des Modi seines Kopfes und der Idee des Modi des Baumes in Verbindung gebracht. Resultat ist, dass der Mensch nicht gegen den Baum rennt, weil ihm dies Schaden einbrächte.
Da der Mensch allerdings über die Idee der Substanz sowohl von Apeflbäumen als auch vom Äpfeln verfügt und über eine korrekte Idee des Modi über Äpfelbäume und Äpfel aufweisen kann, wird er durch eine Idee der Kausalität erkennen, dass er auf den Apfelbaum steigen, sich einen Apfel pflücken und diesen essen kann.


Der Empiriker John Locke unterscheidet des Weiteren zwischen zwei Arten von Qualitäten (oder Sinneseindrücken):

1. Die primären Qualitäten: Zu den primären Qualitäten eines Gegenstandes gehören Höhe, Länge, Breite, Form usw.. Die primären Qualitäten sind unumstritten geltend.

2. Die sekundären Qualitäten: Geruch, Farbe, Geschmack usw. gehören zu den sekundären Qualitäten. Sie sind auf das einzelne Individuum bezogen. So wird jeder Mensch eine etwas andere Wahrnehmung der sekundären Qualitäten der Elemente eines Waldes haben, wenn er ihn betritt. Dem einen wird die kühle Luft gefallen, dem anderen ist es dort vielleicht viel zu kalt und ein anderer wiederrum hat Angst alleine dort zu sein, wobei ein anderer sogar Freude daran empfindet, endlich weit weg von den Menschen zu weilen und lediglich Natur um sich zu haben.



Freiheit als Primäraufgabe des Staates und Grundbaustein zu der Gleichheit


John Locke entwickelte nicht nur eine überaus ausgeklügelte Erkenntnistheorie, sondern auch ein Staatskonzept. Demnach war John Locke nicht nur Mediziner, Lehrer in Sprachen, Rhetorik und Moralphilosophie, empiristischer Erkenntnisphilosoph und Politiker; er war auch Staatsphilosoph.

Das englische Multitalent setzte sich für einen liberalen Staat ein, dessen Mittelpunkt die Freiheit bildet, was bedeutet, dass Locke sowohl auf Rechts- und Chancengleichheit bestand als auch auf Freiheit bezüglich der Weltanschauung.

Die Erde in ihrer Gesamtheit betrachtete Locke als Eigentum aller Menschen an, allerdings erachtete er es als richtig, dass die Güter aufgeteilt werden und es somit Privateigentum gibt, weil dies seiner Meinung nach die Basis dafür ist, dass die Güter optimal verwendet werden.
Dadurch, dass ein Mensch einen bestimmten Gegenstand bearbeitet, geht dieser in den Besitz des Bearbeitenden über, da dieser durch die Arbeit, die er vollrichtet, etwas von sich selbst auf den bearbeiteten Gegenstand ,,hinüberfließen" lässt.
Allerdings betont John Locke, dass die Aneignung von Gütern nicht ohne Grenzen vollzogen werden darf. Bei der Aneignung von Güter darf sich der Mensch nur nach eigenem Bedarf und dem Bedarf seiner Familie orientieren.
Diese Annahme wurde allerdings später von Locke zurückgezogen. Durch das Vorhandensein von Währung wäre das Produzieren oder Bearbeiten von Gütern auch über den eigenen Bedarf hinaus erlaubt, denn obwohl der Arbeiter mehr als er benötigt produziert, fällt das in Massen Produzierte nicht in seinen Besitzt, sondern wird durch Geld getauscht und somit verteilt.


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