Augustinus' Philosophie

Einführung in seine Philosophie:

Augustinus hatte einen besonderen Grundsatz in seiner Philosophie, nämlich sich selber zum Gegenstand des Nachdenkens zu machen.
Dazu sagte er: „Ich war mir selbst zur Frage geworden!“

Außerdem war diese Frage sowieso erst der Ansporn für ihn zu philosophieren, da er glaubte, dass die ‚Wahrheit’ im Inneren des Menschen läge. Ein berühmtes Zitat von ihm lautet: „Geh’ nicht aus Dir hinaus, in Dich selber kehre ein, denn im Inneren wohnt die Wahrheit!“

Durch diese Wendung zur Innerlichkeit (also auch durch Augustinus) begann so eine neue Epoche der Philosophie.
Später wurde Augustinus sogar noch zum bedeutendsten Philosophen der westlichen Welt, mit seiner Philosophie, deren Ziel er wie folgt ausdrückte:
„Gott und die Seele will ich kennen lernen. Sonst nichts? Nein, gar nichts!“

Über die Definition Gottes sagte Augustinus etwas für seine ‚Philosophie’ sehr entscheidendes: „Man muss in diesem Falle den Glauben dem Denken überordnen!“ Ermeinte also damit, dass der Glaube an Gott manchmal über dem Denken stehen müsse. Für Augustinus war Gott der Allmächtige, der Alles aus dem Nichts heraus geschaffen hat. Aber auch der „Gott der Geschichte“, denn ER bestimmt alle Ereignisse des Menschen.
Mit dieser Auffassung machte sich Augustinus schließlich zum ersten Geschichtstheologen und -philosophen.

Zusammenfassend kann man über die Philosophie des Augustinus sagen:
Augustinus dachte immer zwischen den Bereichen des Menschen und den Gottes.
Alle Erkenntnisse errang er immer durch den Blick tief in sich selbst hinein, auch bzw. vor allem durch sein Wissen und sein Bewusstsein über seine Sünden und die Fehler des Menschen.


Seine Hauptthesen

I. Die Tiefen der Seele:
„Was wir ganz verloren hätten, könnten wir auch nicht als Verlorenes suchen!“

Augustinus sah sein Gedächtnis als unzählige Felder, Höhlen und Buchten an.
Diese sind mit Dingen jeder Art – egal ob mit Bildern, Sachen, Begriffen oder Zeichen ‚vollgestopft’. Alles was im Gedächtnis erhalten bleibt, muss sich auch in der Seele befinden, denn das Gedächtnis ist ein Teil der Seele.
Er sagte, dass der Geist unbewusst viel mehr aufnimmt, als wir glauben. Denn sonst könnte man, wenn einem etwas Vergessenes wieder eingefallen ist, nicht sagen, dass es das wirklich war, wonach man gesucht hat.

II. Die Dreieinigkeitslehre:
„Gott besteht aus drei gleichwertigen ‚Personen’: Vater, Sohn und heiliger Geist“

Augustinus findet die Wahrheit in Gott.
Gott:
~ vor dem das menschliche Denken versagt
~ der groß ist –ohne Quantität
~ der gut ist –ohne Qualität
~ der gegenwärtig ist –ohne Raum
~ der ewig ist –ohne Zeit
~ der einfach un(er)fassbar ist
~ der sich durch das göttliche Wort offenbarte.

Mit dieser Auffassung machte Augustinus eine Absage an jede Philosophie, die die Welt als Erzeugnis des Menschen hinstellen möchte und die die ganze Wahrheit nur im Menschen sucht.
Denn für Augustinus liegt die ganze Wahrheit in der Ordnung und der Wirklichkeit Gottes.
Diese Gedanken führen ihn dann zur Lehre der Dreieinigkeit, welche sagt, dass die „göttliche Substanz“ in drei Personen existiert: im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist - allerdings ohne jeglicher Unterordnung.
Diese Erkenntnis leitet er ab von der Analogie mit der Menschenseele, die nämlich aus „Sein, Leben und Erkennen“ (bzw. „Sein, Wissen und Leben“) ihr Wesen bildet.
Außerdem sagt Augustinus, dass alles Geschaffene immer die Spuren ihres Schöpfers enthält und so auf ihn schließen lassen, wie man dann auch von der Schöpfung 'Mensch' auf den Schöpfer 'Gott' schließen kann.
Aber Augustinus sagt auch, dass dies nicht nur ein Vergleich ist, sondern der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen wurde. Er ist sozusagen sein Ebenbild.

III. Schöpfung und Zeitlichkeit:
„Vergangenheit ist unsere Erinnerung; Gegenwart ist die Wirklichkeit; Zukunft unsere Erwartung!“
„Die Welt ist nicht in der Zeit, sondern mit der Zeit erschaffen worden!“

Augustinus glaubte daran, dass Gott die Welt aus dem Nichts heraus erschaffen hat.
Er sagte, dass nur die Gegenwart Wirklichkeit ist. Vergangenheit ist Erinnerung und Zukunft ist Erwartung. Allerdings definierte er den Begriff 'Gegenwart' nicht präzise genug, so dass es schwer fällt, diese Aussage richtig verstehen oder deuten zu können.
Weiterhin sagte er, dass es Zeit nur dort geben kann, wo Veränderungen stattfinden. In der Ewigkeit gibt es diese nicht. Das heißt - laut Augustinus -, dass es vor der Entstehung der Erde noch gar keine Zeit gab. Deshalb könne man nicht sagen „Die Welt ist in der Zeit erschaffen worden.“, sondern „Die Welt ist mit der Zeit erschaffen worden.“

IV. Geschichte und Gottesstaat:

Augustinus glaubte, dass die ganze Geschichte nur nach Gottes Willen geschieht. Das eigentliche Thema der Weltgeschichte formulierte er als Kampf zwischen Glauben und Unglauben bzw. als Kampf zwischen Himmel und Hölle.
Die bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der Menschen waren für ihn die Menschwerdung Gottes in der Gestalt Jesu und das Jüngste Gericht.
Außerdem hat sich Augustinus mit dem "Gottesstaat" beschäftigt, den die Begnadeten bilden. Das vollkommene Abbild des Gottesstaats auf Erden ist laut Augustinus - natürlich - die "Mutter Kirche". Denn sie ist die Gemeinschaft Christi.

V. Willensfreiheit und Prädestination:
„Prädestination: Wegen der Erbsünde Adams kann der Mensch nicht ohne Sünde leben!“
„Gott ist allwissend über die Schicksale der Menschen, aber nicht bestimmend!“

Es gab die Meinung, der Mensch werde frei und ohne Sünde geboren, „er könne sich an das Vorbild Christi haltend, seine Seeligkeit selbst erwirken.“
Augustinus aber war dagegen und sprach von der folgenreichen Lehre der Prädestination.

Diese besagt, dass Adam erst 'frei' war, dann aber von Satan zur Sünde verführt wurde.
Daraus entstand dann die Erbsünde, das heißt alle Menschen müssen sündigen und infolgedessen auch irgendwann einmal sterben.(Mit anderen Worten, wären alle Menschen auch unsterblich, wenn Adam nicht gesündigt hätte!)

Laut Augustinus erlöst Gott jedoch manche Menschen - für uns willkürlich erscheinend - mit seiner Gnade. Denn Augustinus sagte, der Mensch sei nicht der „Herr seines eigenen Geschicks“.
Da diese Lehre den Menschen aber große Angst machte und da auch die Kirche (also sein 'Arbeitgeber') gegen diese Lehre, die man auch paulinische Lehre nannte, war, entschloss sich Augustinus seine Auffassung zu entschärfen. Von da an behauptete er, dass Gott die Menschen doch nicht beruft oder verdammt, dass er nur ihr Schicksal vorausweiß.
Dabei zeigte Augustinus in diesem Fall aber sehr gut, dass er nicht gerade ein sehr konsequenter Philosoph gewesen ist und dass es fast schon unmöglich sein muss, die Wahrheit zu finden, wenn man so beeinflussbar ist.
Weiterhin war es für Augustinus schwer, das Böse in der Welt zu erklären, da er immer nur den Willen Gottes gelten ließ. Als Lösung versuchte er das Böse einfach zu leugnen oder er definierte es schlicht als die Abwesenheit des Guten, so wie die Finsternis die Abwesenheit des Lichtes ist.

Aber auch Augustinus erkannte irgendwann die ungeheure Gewalt des Bösen, so dass er es nicht immer einfach leugnen konnte. Er fand allerdings nie eine wirkliche logische Erklärung.


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